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Begründung des Antrages zur Bestandsregulierung beim Kormoran (November 2008)

Posted by Lars Dettmann (l.dettmann) on [PUBL_DATE]
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Kormorane in BrandenburgSeit Jahren streiten sich Fischer und Vogelschützer über den richtigen Umgang mit dem Kormoran. Die Fronten sind in der Sache verhärtet und die nötige Sachlichkeit bleibt viel zu oft auf der Strecke. Aus Sicht der betroffenen Fischer, Angler und Teichwirte ist der gegenwärtige Zustand untragbar. Die wirtschaftlichen und die ökologischen Schäden an den Fischbeständen sind inzwischen unübersehbar. Der extensiven Karpfenteichwirtschaft droht durch die Kombination von gestrichenen Fördermitteln, Kormoranschäden und Koi-Herpesvirus das Aus. Die Erträge der Seen- und Flussfischerei sind mit dem Anwachsen der Kormoranbestände eingebrochen. Die EU sieht den Europischen Aal inzwischen als gefährdet an und hat eine entsprechende Schutzverordnung erlassen. Inzwischen fressen Kormorane im Land Brandenburg deutlich mehr Aale, als die Berufsfischer fangen. Auch die Schutzprogramme des Landesanglerverbandes für Äsche, Bach- und Meerforelleforelle, sowie den Atlantischen Lachs leiden unter dem Fraßdruck der Kormorane.

Vor diesem Hintergrund fordert der Landesfischereiverband seit Jahren eine nachhaltige Regulierung der Kormoranbestände. Was bei anderen Tierarten, wie Fuchs, Reh oder Schwarzwild heute selbstverständlich ist, wird beim Kormoran jedoch zu Politikum. Kein vernünftiger Mensch käme auf die Idee, z.B. das Wildschwein in Deutschland unter Schutz zu stellen, seine Bejagung nur in Ausnahmefällen im Zuge eines entsprechenden Antragsverfahrens zu genehmigen und die Landwirte dann auch noch auf den Folgen der entstehenden Wildschäden sitzen zu lassen. Bei der Fischerei leistet man sich jedoch einen solchen Widersinn in Sachen Kormoran. Hoffentlich erkennt der Naturschutz umgehend, dass beim Kormoran der Artenschutz inzwischen längst ausartet.

Der Landesfischereiverband hat auch in diesem Jahr beim Landesumweltamt Brandenburg einen Antrag für die Genehmigung von bestandsregulierenden Maßnahmen in Kormoranbrutkolonien gestellt. Ziel der beantragten Eingriffe ist das systematische Auskühlen der Gelege durch das Aufscheuchen der Vögel in einer kalten Nacht. Diese vergleichsweise schonende Methode der "Geburtenregulation" wurde in den vergangenen Jahren bereits in einzelnen Brutkolonien erfolgreich durchgeführt. Diese Maßnahmen haben Modellcharakter für ganz Deutschland und könnten bei einem möglichst flächendeckenden Einsatz mittelfristig zu einer maßvollen Reduzierung der Kormoranpopulation führen.

Die Begründung des Antrags kann per Klick aufgerufen werden.

Ergänzung: Der Antrag des Verbandes wurde von Landesumweltamt genehmigt. Unter der Aufsicht von Mitarbeitern der Staatlichen Vogelschutzwarte Brandenburg wurden die Eingriffe in der Kolonien Paretzer Tonstiche (ca. 520 Brutpaare) und Alter Wochowsee (560 Brutpaare) durchgeführt.

Durch sicherlich witterungsbedingte Verzögerungen hatten in der Kolonie Paretzer Tonstiche nur etwa 50% der anwesenden Brutpaare bereits mit dem Brutgeschäft begonnen. Bei der Kolonie am Alten Wochowsee wurde mit Rücksicht auf die in der gleichen Kolonie brütenden Graureiher nur ein Teil der brütenden Kormorane von den Nestern gescheucht. Auch hier blieben etwa 50% der vorhandenen Kormorangelege wegen der Nähe zu den brütenden Graureihern ungestört. Es hat sich gezeigt, dass mit dem Einsatz von Taschenlampen sehr gezielt und selektiv gearbeitet werden kann. Beeinträchtigungen anderer Vogelarten lassen sich so weitgehend vermeiden.

Der Landesfischereiverband bedankt sich bei der Landesregierung Brandenburgs, dem Landesumweltamt und insbesondere bei den Mitarbeitern der Staatlichen Vogelschutzwarte für die sehr gute Zusammenarbeit und Unterstützung bei unserem Bemühen um ein maßvolles und nachhaltiges Management der Kormoranbestände.
 

Last changed: 03.01.2011 at 12:09:15

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