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Netzüberspannungen von Satzfischteichen - die Rettung für die Karpfenteichwirtschaft? (Januar 2010)

Posted by Lars Dettmann (l.dettmann) on [PUBL_DATE]
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Weil sich die vom NABU in seinen Informationen zum Vogel des Jahres vorgebrachten Alternativen zur Vergrämung von Kormoranen an Satzfischteichen in der Praxis als untauglich erwiesen haben, steht die Frage nach echten Alternativen. In dem Zusammenhang ist das Beispiel der Fischzucht Grambek (Schleswig-Holstein) interessant. Durch die Kormoranschäden wirtschaftlich ruiniert, suchte Michael Bothstede für seine Teichwirtschaft nach einem Ausweg. Sein Antrag, die Teiche mit Netzen zu überspannen und so vor den Kormoranen zu sichern, wurde von der zuständigen Naturschutzbehörde zuerst abgelehnt. Erst als er laut von der Aufgabe der Teiche sprach, kam Bewegung in die Sache. Inzwischen wurde die Genehmigung zum Überspannen von 7 der insgesamt 32 ha Teichfläche erteilt und umgesetzt. Geplant ist, den überspannten Anteil im nächsten Bauabschnitt auf 15 ha zu vergrößern. Die Erfolge sprechen für sich. Wo vorher im Jahrgang K1 zu K2 über 90 % Stückverluste die wirtschaftliche Basis der Teichwirtschaft zerstörten, liegt die Verlustrate unter der Netzüberspannung bei nur noch 3%. Dem steht ein Investitionsbedarf von 15.000 bis 20.000 €/ha für die Netzüberspannung gegenüber. Ist das die Lösung, um die Teichwirtschaft im Land vor dem Kormoran zu retten? Ein Antwort auf diese Frage suchten Dr. Markus Nipkow (Referent für Ornithologie beim NABU-Bundesverband), Helge May (Chefredakteur von "Naturschutz heute"), Reinhart Sosat (Artenschutzreferent des Landesfischereiverbandes Baden Württemberg) und Lars Dettmann (Geschäftsführer des Landesfischereiverbandes Brandenburg/Berlin e.V.). Gemeinsam besuchten wir die dem NABU gehörende Teichwirtschaft "Blumberger Mühle" bei Angermünde um von dort nach Grambek zu Michael Bothstede zu fahren. An zwei Teichen der Blumberger Mühle wurden Mitte der 90'er Jahre herkömmliche Fadenüberspannungen installiert, unter denen anfänglich noch eine Satzfischproduktion möglich war. Im Jahr 1999 gab der Bewirtschafter diese Satzfischproduktion wegen der starken Kormoranpräsenz und der dadurch eintretenden Stückverluste auf. Seither werden die benötigten Satzfische aus Tschechien importiert. In Zeiten von KHV eine mehr als riskante Praxis.

Überspannung an den Teichen der Blumberger Mühle. Die herkömmliche Konstruktion mit Einzelfäden an Tragseilen hält zusätzlichen Lasten, wie sie insbesondere bei Schneefall auftreten, nicht stand. Einzelfäden reißen oder lösen sich von den Tragseilen. Die Reperatur im Frühjahr wird aufwendig. Dennoch bringt die Überspannung nicht den gewünschten Vergrämungseffekt, weil die Kormoran lernen durch bzw. unter die Überspannung zu fliegen.

Wegen der elementaren Bedeutung einer eigenen Satzfischproduktion verzichtet Michael Bothstede grundsätzlich auf Zukäufe. Er setzt auf die effektive Überspannung der Teiche mit Netzen.

arbeitslos geworden - eine Vogelscheuche an einem eingehausten Teich in Grambek - Bei dieser Form der Überspannung haben Vögel ab der Größe einer Stockente und aufwärts keine Chance mehr, an den Teich zu gelangen.

Bei der von ihm entwickelten Konstruktion sichert ein Wildzaun den Teich zu den Seiten. Ehemalige Leitplankenelemente dienen als Haltepfähle an den Teichrändern. Zwischen ihnen werden wahlweise Stahlseile oder elastische Leinen gespannt. Darüber kommt das ebenfalls sehr elastische Netzmaterial mit einer Maschenweite von 100 mm. Holzpfähle stützen die Konstruktion im Teich, so dass unter der Überspannung gearbeitet werden kann. Die Holzpfähle wurden angesägt, so dass eine Sollbruchstelle entstand. Belasten Schnee, Reif oder Sturm die Konstruktion zu sehr, sollen die Pfähle brechen, so dass sich die Konstruktion auf den Teichboden legt, statt zu reißen. Wie das Bild zeigt, war das trotz Sturmtief Daisy mit ordentlichen Schneemengen und einer steifen Briese in diesem Jahr noch nicht der Fall. Sollte es doch passieren, wird die Überspannung anschließend mit neuen Holzpfählen wieder in Position gebracht. Weiterer Vorteil: eine solche Überspannung lässt sich modular aufgebaut sehr wahrscheinlich auch zum Schutz größerer Teiche einsetzen.

Aus der Nähe betrachtet - (v.l.) Hanno Slawski und Michael Bothstede (Fischzucht Grambek), Dr. Markus Nipkow (NABU), Reinhart Sosat (LFV-BW) und Helge May (NABU) begutachten den Aufbau der Überspannung

Der Effekt dieser Methode zur Sicherung der Teiche spricht für sich. Wo früher über 90% der K2 bei der Abfischung fehlten,liegen die Verlustraten jetzt bei minimalen 3%. Allerdings stehen dem stattliche 15.000 bis 20.000 Euro / ha an Investitionskosten gegenüber. Geht man davon aus, dass etwa 50% der Teichflächen zur Satzfischproduktion benötigt werden, wären im Land Brandenburg ca. 2000 ha in dieser Weise zu überspannen. Das entspricht einem Investitionswert von 30 bis 40 Mio. Euro. Deneben steht die Frage der Genehmigungsfähigkeit. Es steht außer Frage, dass solche Überspannungen einen Teich für Vögel ab der Größe einer Stockente unerreichbar machen. Innerhalb von FFH-, NSG- und SPA-Gebieten dürfte das aus der Sicht des Naturschutzes problematisch sein. Hinzu kommt, dass sich in den Netzüberspannungen zwangsläufig auch Vögel verfangen können. Wie die Erfahrungen zeigen, führt das dann sehr schnell zu Konflikten, die für den Teichwirt durchaus strafrechtliche Konsequenzen haben könnten.

Kernprobleme bei der Umsetzung dieser Form des Schutzes vor Kormoranschäden sind somit der enorme Investitionsbedarf, die Genehmigungsfähigkeit aus naturschutzfachlicher Sicht und der potenzielle Konflikt mit Bestimmungen des Tier- und Artenschutzes, falls sich Vögel in der Netzüberspannung verfangen. Um diese Probleme anzugehen, erfasst der Landesfischereiverband im Moment die Flächenkulisse. Sobald die Betriebe mitgeteilt haben, welche Teiche mit welcher Gesamtfläche zur Satzfischproduktion genutzt werden, geht ein entsprechender Antrag an das Landesumweltamt Brandenburg. Die Reaktion von dort wird zeigen, wie weit sich die genannten rechtlichen Probleme ausräumen lassen. Wenn das gelingt, steht die Frage der Finanzierung. Hier werden wir uns an das für Naturschutz zuständige Ministerium wenden und rechnen fest mit der tatkräftigen Unterstützung des NABU.

Das gemeinsame Fazit nach der Reise: Erwartungsgemäß wurde trotz intensiver Diskussionen in vielen Punkten kein Einvernehmen erreicht.  Dennoch war und ist der direkte Dialog notwendig und verschafft Einblick in die Probleme vor Ort.

Last changed: 05.01.2011 at 16:00:25

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